Gewaltschutzkonzept

Inhalt

1. Einleitung.
2. Geltungsbereich.
3. Ziel
4. Definition von Gewalt und Kindeswohlgefährdung.
5. Grundhaltung.
6. Gesetzliche Grundlagen.
7. Formen von Grenzverletzungen und Gewalt.
7.1. Physische Gewalt.
7.2 Psychische Gewalt.
7.3 Strukturelle Gewalt.
7.4. Sexuelle Gewalt.
7.5. Autoaggression.
7.6. Gewalt unter betreuten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen.
8. Erkennungsmerkmale von Gewalt/Kindeswohlgefährdung.
8.1 Allgemeines.
8.2 Anhaltspunkte zur Kindeswohlgefährdung.
8.2.1 Anhaltspunkte beim Kind.
8.2.2 Anhaltspunkte in der Familie / Umfeld.
8.2.3 Anhaltspunkte zur Mitwirkungsbereitschaft und -fähigkeit.
9. Präventive Maßnahmen.
9.1 Maßnahmen Einrichtungsleitung.
9.2 Maßnahmen Personal
9.3 Maßnahmen Kinder.
10. Ebenen von Grenzverletzungen und Gewalt.
11. Vorgehen bei Grenzverletzungs- und Gewaltvorfällen.
12. Nicht tolerierbares Verhalten von Mitarbeitenden.
13. Einreihung des Vorfalles.
14. Meldepflicht/Meldeverfahren.
14.1 Meldestellen für Mitarbeiter.
14.2 Meldestellen für Kinder und gesetzliche Vertretungen/Angehörige.
15. Zu Unrecht beschuldigte Personen.
16. Umgang mit Medien.
17. Strafrechtlich relevante Gewalthandlungen.
18. Externe Meldestellen.

Gewaltprävention und Umgang mit Gewalt sowie Kinderschutz

Freigegeben am 01.10.2020
Vorbemerkung:

Bei der Verwendung männlicher oder weiblicher Bezeichnungen für die Funktionen und Aufgaben der Mitarbeiter gelten diese immer für beide Geschlechter.

1. Einleitung

Gewalt ist in allen zwischenmenschlichen Beziehungen, sowohl in einer Institution als auch in ihrem Umfeld möglich und kann in allen Situationen des Lebens und in verschiedenen Formen auftreten. Gewalt kann auf der körperlichen, psychischen, sexuellen oder strukturellen Ebene stattfinden. Gewaltpotenzial kann in einer Einrichtung auf allen Ebenen des Zusammenlebens und Zusammenarbeitens entstehen. Dieses Konzept soll demzufolge Kinder und Mitarbeitende vor Gewalt schützen. Die in den nachfolgenden Abschnitten beschriebenen Grundsätze gelten für alle Formen der Gewaltanwendung. Die Handlungsschritte sind davon abhängig, wer gegen wen Gewalt anwendet.

Es liegt die Sichtweise zu Grunde, dass ein achtsamer Umgang aller Beteiligten untereinander sowohl für die anvertrauten Menschen als auch für die tätigen Personen in unserer Einrichtung eine Grundlage für eine hohe Lebens- und Arbeitsqualität darstellen. Daneben bilden klare Zuständigkeiten, eine konstruktive Fehlerkultur und eindeutige Verfahrensregeln weitere Voraussetzungen hierfür.

2. Geltungsbereich

Dieses Gewaltschutzkonzept gilt in allen Bereichen unserer Einrichtung sowohl im Kindergarten als auch in der Kinderkrippe.

3. Ziel

Dieses Gewaltschutzkonzept beschreibt die Anforderungen, Verfahren und Grundlagen, wie wir den Schutz der Betreuten und Mitarbeitenden unserer Einrichtung vor Gewalt und übergriffigem sowie schädigendem Verhalten gewährleistet bzw. adäquat auf gewaltbezogene und kindeswohlgefährdende Vorkommnisse reagiert.

4.Definition von Gewalt und Kindeswohlgefährdung

Gewalt wird als eine grenzverletzende Handlung gesehen, die mittels physischer oder psychischer Mittel einer anderen Person Schaden zufügt oder sie dem eigenen Willen unterwirft. Dabei spielen Machtunterschiede eine entscheidende Rolle. Für die Betroffenen hat sie meist eine schädigende Auswirkung materieller, körperlicher, seelischer oder geistiger Art zur Folge. „Gewalt ist jede Verletzung der physischen oder psychischen Integrität eines Menschen“.

Von Gewalt wird dann gesprochen, wenn einem Menschen im Kontext von Abhängigkeitsstrukturen gegen dessen Willen, im Sinne eines reflektierten Einverständnisses, ein Verhalten oder Tun bis hin zur physischen oder psychischen Überwältigung oder Vernichtung aufgezwungen wird, unabhängig davon, ob die Gewalt gewollt, bewusst oder absichtlich angewendet wurde oder unabsichtlich, unbewusst bzw. ungewollt.

Als Kindeswohlgefährdung gilt „eine gegenwärtige in einem solchen Maße vorhandene Gefahr, dass sich bei der weiteren Entwicklung eine erhebliche Schädigung mit ziemlicher Sicherheit voraussehen lässt“. Gemäß dieser Definition müssen drei Kriterien gleichzeitig erfüllt sein, damit von einer Kindeswohlgefährdung auszugehen ist. So muss die Gefährdung des Kindes

  • gegenwärtig gegeben sein,
  • die gegenwärtige oder zukünftige Schädigung muss erheblich sein und
  • die Schädigung muss sich mit ziemlicher Sicherheit vorhersehen lassen, sofern sie noch nicht eingetreten ist.

Voraussetzung ist also nicht nur die Beeinträchtigung des Kindeswohls durch ein bestimmtes Verhalten oder Unterlassen, sondern auch und vor allem die nachhaltig negative Wirkung dieses Verhaltens/Unterlassens, genauer: die körperliche, geistige oder seelische Schädigung des betroffenen Kindes. Erst dann kann vom Vorliegen einer Kindeswohlgefährdung gesprochen werden.

Für die Arbeitsfelder in unserer Einrichtung bestimmen sich demnach verschiedene Erscheinungsformen von Gewalt und Kindeswohlgefährdung.

  • unmittelbare und mittelbare Gewalt/Gefährdung
  • durch Unterlassung und Vernachlässigung
  • auf physischer, sexualisierter, emotionaler, verbaler, psychischer, geistiger Ebene
  • gesetzlich legitimierte Gewalt zum Schutz bzw. Vorsorge

Gewalt/Gefährdung kann dabei ausgeübt werden als

  • individuelles Fehlverhalten des Einzelnen, systematisch oder als spontanes Konfliktverhalten
  • institutionalisierte Gewalt als alltäglicher Zustand (z.B. systematische Bestrafung, Ruhigstellung, Mangelernährung …)

5. Grundhaltung

Erfahrungen von Gewalt sind für viele Mitarbeitende in der Erziehung und Betreuung nahezu unausweichlich. Maßnahmen zur Gewaltprävention und -intervention sind deshalb zentrale Bestandteile im Schutzkonzept unserer Einrichtung.

Deshalb sorgen wir für ein Betriebsklima, das keine Verletzung der physischen und psychischen Integrität toleriert. Wir sind Teil des Ganzen und tragen gemeinsam die Verantwortung für das Erreichen der Ziele. Wir schaffen ein vielfältiges pädagogisches Angebot, das den Kindern eine optimale soziale und individuelle Entwicklung ermöglicht.

6. Gesetzliche Grundlagen

 Mit dem Gesetz zur Stärkung von Kindern und Jugendlichen wurde das SGB VIII grundlegend geändert. Im Allgemeinen gelten hier die Änderungen des Gesetzes zur Stärkung von Kindern und Jugendlichen (Kinder- und Jugendstärkungsgesetz – KJSG) das am 10.6.2021 in Kraft getreten ist.

7. Formen von Grenzverletzungen und Gewalt

7.1. Physische Gewalt

Unter physischer Gewalt verstehen wir gewalttätige Handlungen, welche körperliche oder seelische Schmerzen oder Verletzungen zur Folge haben.

  • Übergriffe mit dem eigenen Körper (schlagen, boxen, treten, beißen, schütteln)
  • Übergriffe mit Gegenständen und Waffen
  • Festhalten
  • Zwang zur Nahrungsaufnahme
  • Körperstrafen
  • zu heiß oder zu kalt baden, duschen

7.2 Psychische Gewalt

Unter psychischer Gewalt verstehen wir Verhaltensweisen wie Drohungen, Demütigungen, Entzug von Zuneigung oder Aufmerksamkeit, Angst erzeugendeHandlungen etc.

  • Verbale Drohung, Einschüchterung, Erpressung, Beschimpfung
  • Soziale Isolation, Ausgrenzung, Zuwendung
  • Vernachlässigung
  • Verweigerung der Selbstbestimmung
  • Bloßstellung, lächerlich machen
  • Diskriminierung
  • Mobbing, Stalking, Belästigung

7.3 Strukturelle Gewalt

Unter struktureller Gewalt verstehen wir als Regel getarnte, oft subtile Formen von Gewalt.

  • Inadäquate Betriebsstrukturen (Betreuungskonzepte, Regeln, Vereinbarungen)
  • Ungeeigneter Arbeitsraum
  • Nicht professionelles und/oder zu wenig Personal
  • Ungeeignete pädagogische Maßnahmen
  • Missachtung der Intimsphäre

7.4. Sexuelle Gewalt

Sexuelle Gewalt bedeutet, dass ein Betreuender seine Machtposition, seine körperliche und geistige Überlegenheit, sowie die Unwissenheit, das Vertrauen oder die Abhängigkeit eines Betreuten zur Befriedigung seiner eigenen sexuellen Bedürfnisse benutzt.

  • Sexueller Missbrauch (Vergewaltigung)
  • Sexuelle Übergriffe (Belästigung, Nötigung)
  • Verhinderung des Auslebens der Sexualität
  • Nichteinhalten der Intimsphäre

7.5. Autoaggression

Autoaggressionen sind Verhaltensweisen, die sich gegen den eigenen Körper richten, die meist stereotyp und mit hoher Geschwindigkeit ablaufen und dem eigenen Körper physische Schäden oder extreme Reize zufügen. Autoaggression kann in andersartige stereotype oder aggressive Verhaltensweisen übergehen. Autoaggression ist eine Kommunikationsform des Betreuten und keine Provokation gegenüber dem Personal. Es ist wichtig, dass der Betreuende die Autoaggressionen nicht persönlich nimmt und wertend beurteilt oder als Reaktion auf eigenes Versagen interpretiert.

7.6. Gewalt unter betreuten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen

Im Kindesalter kann und soll es möglich sein, spielerisch den Umgang mit körperlichen Kräften zu erfahren. Dabei können die Kinder lernen, die Grenzen des Gegenübers zu respektieren. Gleichzeitig sollen sie ein angemessenes Durchsetzungsvermögen entwickeln können. Für einen solchen Prozess brauchen die Kinder die Unterstützung in Form von konkreten Hilfestellungen und Rückmeldungen. In den Kindergartengruppen, entwickeln sich Dynamiken, die geprägt sind von unterschiedlichen Rollen, Interessen, Stärken und Schwächen der Kinder. Sie sind gefordert, mit dieser komplexen Situation umzugehen. Zu hohe oder zu tiefe Anforderungen können zu aggressiven und gewalttätigen Reaktionen führen. Oft zeigt sich die Gewalt schon in der Sprache oder in nonverbalen Äußerungen. Was am Anfang als Ventil dient, kann der Vorläufer von körperlicher Gewalt sein. Es gibt ein normales und altersentsprechendes Kräftemessen, das die Betreuer nicht beunruhigen sollte. Unvermitteltes Schlagen anderer oder ständiges Provozieren anderer ist gewalttätig. Das Personal ist aufgefordert, nicht nur zuzuschauen, sondern zu reagieren. Es ist unsere Aufgabe, den Kindern andere Verhaltensmöglichkeiten aufzuzeigen und sie dabei aktiv zu begleiten.

8. Erkennungsmerkmale von Gewalt/Kindeswohlgefährdung

8.1 Allgemeines

Anhaltspunkte für Fachkräfte zur besseren Erkennung von Gefährdungssituationen sind im Wesentlichen im Erleben und Handeln des jungen Menschen zu suchen, sowie im sozialen Umfeld.

Sie müssen in der Anwendung

  • altersspezifisch betrachtet werden.
  • auf die besondere Situation (chronisch) kranker und behinderter Kinder ist Rücksicht nehmen
  • Fähigkeit und Bereitschaft der Personensorge- / Erziehungsberechtigten zur Problemsicht, Mitwirkungsbereitschaft und Motivation Hilfe anzunehmen.

8.2 Anhaltspunkte zur Kindeswohlgefährdung

8.2.1 Anhaltspunkte beim Kind

  • Nicht plausibel erklärbare sichtbare Verletzungen (auch Selbstverletzungen)
  • Körperliche oder seelische Krankheitssymptome (Einnässen, Ängste, Zwänge …)
  • Unzureichende Flüssigkeits- oder Nahrungszufuhr
  • Fehlende, aber notwendige ärztliche Vorsorge und Behandlung
  • Zuführung die Gesundheit gefährdender Substanzen
  • Für das Lebensalter mangelnde Aufsicht
  • Hygienemängel (Körperpflege, Kleidung)
  • Unbekannter Aufenthalt (Weglaufen , Streunen)
  • Fortgesetzte unentschuldigtes Fernbleiben von der Einrichtung
  • Gesetzesverstöße

8.2.2 Anhaltspunkte in der Familie / Umfeld

  • Gewalttätigkeiten in der Familie
  • Sexuelle oder kriminelle Ausbeutung des Kindes
  • Eltern psychisch oder suchtkrank, körperlich oder geistig behindert
  • Familie in finanzieller / materieller Notlage
  • Desolate Wohnsituation (Vermüllung, Wohnfläche, Obdachlosigkeit)
  • Traumatisierende Lebensereignisse (Verlust eines Angehörigen, Unglück)
  • Erziehungsverhalten und Entwicklungsförderung durch Eltern schädigend
  • Soziale Isolierung der Familie
  • Desorientierendes soziales Milieu / Abhängigkeiten

8.2.3 Anhaltspunkte zur Mitwirkungsbereitschaft und -fähigkeit

  • Kindeswohlgefährdung durch Erziehungs- oder Personensorgeberechtigte nicht abwendbar
  • Fehlende Problemeinsicht
  • Unzureichende Kooperationsbereitschaft
  • Mangelnde Bereitschaft, Hilfe anzunehmen
  • Bisherige Unterstützungsversuche unzureichend
  • Früher Sorgerechtsvorfälle

9. Präventive Maßnahmen

Die Mitarbeitenden werden dazu verpflichtet, ihren Beitrag zu einer wirkungsvollen Gewaltprävention zu leisten und im Falle eines Verdachts oder eines erfolgten Gewaltvorfalles rechtzeitig und angemessen zu handeln.

Außerdem sind Schulungen z.B. Präventionsschulung zum sexuellen Missbrauch für alle Mitarbeiter verpflichtend, genauso wie die Erbringung eines erweiterten Führungszeugnis vor Arbeitsantritt und anschließend alle fünf Jahre.

9.1 Maßnahmen Einrichtungsleitung

  • Implementierung des vorliegenden Konzeptes
  • Sorgt für bedürfnisgerechte und an Beteiligten orientierte Betriebsstrukturen
  • Wählt das Personal sorgfältig aus und beschäftigt fachlich gut ausgebildetes Personal
  • Fördert durch Schulung die fachlichen Kompetenzen des Personals um drohende Gewalt wahrzunehmen und frühzeitig und angemessen intervenieren zu können
  • Sorgt für angemessenes Mitspracherecht aller Beteiligten
  • Fordert und fördert den Austausch und die Kommunikation zwischen den Mitarbeitenden
  • Verfügt über klare Verfahrensanweisungen mit geregelten Abläufen, Zuständigkeiten und Meldepflichten
  • Fördert einen konstruktiven Umgang mit Konflikten und Krisensituationen und stellt dafür die entsprechenden Ressourcen bereit
  • Fordert die Meldepflicht bei Gewalt oder Verdacht auf Gewalt und Gefährdung
  • Fördert eine transparente Zusammenarbeit und Kommunikation mit gesetzlichen Vertretungen und Angehörigen
  • Regelmäßige Unterrichtung der Fachkräfte über die Verpflichtung zum Schutzauftrag
  • Belehrung über die schriftliche Dokumentation
  • Fachkräfte über gewichtige Anhaltspunkte der Kindeswohlgefährdung informieren
  • Regelmäßig Bearbeitung der Thematik (einmal jährlich)
  • Verantwortung für die Verfahrenssteuerung (wie verfahre ich)
  • Verantwortung über die Durchführung der Verfahrensschritte
  • Fallbesprechung mit der Fachkraft
  • Abschätzung ob Gefährdungsrisiko vorliegt
  • Insofern erfahrene Fachkraft hinzuziehen (Gespräch Leitung, Fachkraft, erfahrene Fachkraft) (Daten anonymisieren)
  • Einbeziehung der Sorgeberechtigten (wenn keine Gefährdung für das Kind)
  • Altersgerechte Einbeziehung des Kindes
  • Information und Beratung der Personensorgeberechtigten
  • Überwachung der eingeleiteten oder empfohlenen Maßnahmen (Auswirkungen)
  • Schriftliche Mitteilung über Kindeswohlgefährdung an das Jugendamt wenn die Eltern nicht mitarbeiten

9.2 Maßnahmen Personal

  • Kennen das vorliegende Konzept und setzen es um
  • Pflegen einen professionellen, respekt- und vertrauensvollen Umgang mit allen Beteiligten
  • Stellen an die Kinder nur fachlich angemessene und ethisch begründbare Anforderungen
  • Kommunizieren offen und transparent untereinander und gegenüber Vorgesetzten.
  • Unterlassen Handlungen, welche die physische und psychische Integrität der Kinder verletzen
  • Sind sich der Positionsmacht bewusst und gehen damit sorgfältig um
  • Fordern frühzeitig Fallbesprechungen bei Verhaltensveränderungen.
  • Dokumentieren und leiten relevante Informationen an die richtigen Stellen weiter
  • Kommunizieren frühzeitig über eigene Grenzen
  • Melden Grenzüberschreitungen aller Art an die zuständige Stelle und halten sich an die vorgegebenen Abläufe

9.3 Maßnahmen Kinder

Die Kinder können bezüglich Verantwortung für einen gewaltfreien Umgang nicht auf die gleiche Ebene wie die Mitarbeitenden gestellt werden. Die Verantwortung liegt bei der Leitung und den Mitarbeitenden. Die Leitung und das Personal sorgen für einen möglichst gewaltfreien Umgang.

  • Fördern die Kinder in der Wahrnehmung ihrer Rechte, ihrer Autonomie und Teilhabe am sozialen Leben
  • Leben im Alltag eine gewaltfreie Kommunikation vor
  • Fördern einen Grenzen respektierenden Umgang untereinander und üben eine gewaltfreie Konfliktlösungskultur ein
  • Vermitteln den Umgang mit neuen Medien (Gewalt, Pornografie, Cybermobbing) und weisen auf die damit verbundenen Gefahren hin
  • Unterstützen die Kinder bei Anzeichen auf aggressive oder schädigende Formen zu achten und diese zu melden
  • Informieren die Kinder, wo sie Hilfe finden können.

10. Ebenen von Grenzverletzungen und Gewalt

Gewalt/Gefährdung kann innerhalb der Einrichtung und in privaten Bereichen auftreten und betrifft alle Beziehungsebenen.

  • Von Kind zu Kind
  • Von Mitarbeiter / Erwachsener zu Kind (nicht tolerierbare Handlungen)
  • Von Kind zu Mitarbeiter / Erwachsener
  • Kind gegen sich selbst
  • Mitarbeiter zu Mitarbeiter

11. Vorgehen bei Grenzverletzungs- und Gewaltvorfällen

Kommt es trotz den präventiven Maßnahmen zu Grenzüberschreitungen oder Gewalthandlungen, muss unmittelbar kompetent gehandelt und die richtigen Stellen informiert werden. An oberster Stelle stehen immer die Hilfestellung und/oder der Schutz des Opfers und unbeteiligten Personen. Wir verpflichten uns zu absoluter Transparenz innerhalb des Kindergartens und gegenüber den Betroffenen und gesetzlichen Vertretungen. Der Ablauf des Vorgehens zur Bearbeitung des Vorfalles, muss der Situation entsprechend angepasst sein. Dabei müssen die Art und die Schwere des Vorfalles sowie die Opfer- und Verursacher-(Täter-)ebene berücksichtigt werden. Eine schriftliche Dokumentation ist zwingende erforderlich. Es dürfen keine Fotos angefertigt werden.

12. Nicht tolerierbares Verhalten von Mitarbeitenden

Es werden keinerlei Handlungen, welche die körperliche, geistige oder psychische Integrität von Kindern verletzten, toleriert. Wir richten die zu ergreifenden Maßnahmen nach der Schwere des Vorfalles ein. Die Maßnahmen oder Sanktionen können sein:

  • Mitarbeitergespräch mit Zielvereinbarung
  • Reduktion von Aufgaben- oder Verantwortungsbereich
  • Normale Kündigung
  • Freistellen und Untersuch einleiten
  • Fristlose Entlassung
  • Strafanzeige

13. Einreihung des Vorfalles

Maßstab der Bewertung eines grenzverletzenden Verhaltens sind nicht nur objektive Faktoren, sondern auch das subjektive Erleben des Opfers. Es muss differenziert werden zwischen Grenzverletzungen, die unabsichtlich oder unbewusst „passieren“ und Grenzverletzungen in Form von Übergriffen und strafrechtlich relevanten Formen. Unbewusst herbeigeführte Grenzverletzungen sind im Alltag kaum ganz zu vermeiden (unbeabsichtigte Berührung, verletzend erlebte Bemerkung) und sind im alltäglichen Miteinander korrigierbar, wenn die grenzverletzende Person dem Gegenüber mit einer grundlegend respektvollen Haltung begegnet. Die Grenzen zwischen den einzelnen Stufen sind fließend. Im Zweifelsfall, bei ungutem Gefühl, soll immer das Gespräch mit der vorgesetzten Person geführt werden.

Stufe 1: Alltagssituationen

Es geht um alltägliche Auseinandersetzungen, Streitereien unter Kindern, Machtkämpfe, Durchsetzen von Regeln und Konsequenzen. Es ist wichtig, sie zu beachten, bevor sie eskalieren und zu Grenzverletzungen führen. Der größte Teil aller Vorfälle sind dieser Stufe zuzuordnen und können normalerweise vom Betreuerteam gut gehandhabt werden.

Stufe 2: leichtere grenzverletzende Verhaltensweisen

Hier werden leichtere grenzverletzende Verhaltensweisen eingeordnet, in denen Kinder Grenzen nicht mehr wahrnehmen und überschreiten, wie z.B. verbale Drohungen, Handgreiflichkeiten oder kleinere Diebstähle. Konsequentes Handeln der Betreuungspersonen mit klarem Festlegen der Grenzen hilft in der Regel solche Vorfälle sinnvoll anzugehen. Weiter können in dieser Stufe nicht angemessenes, nicht professionelles Verhalten von Betreuungspersonen gegenüber Kindern eingeordnet werden. Hier ist schnelles Intervenieren von Führungsseite gefordert.

Stufe 3: schwere Grenzverletzungen

In dieser Stufe geht es um schwere Grenzverletzungen auf verschiedenen Ebenen wie: Gewaltübergriffe oder sexuelle Belästigung unter Kindern, Gewalt gegen Mitarbeitende, Autoaggression, nicht angemessene pädagogische und agogische Interventionen (evtl. wiederholte Grenzverletzungen der Stufe 2), wiederholtes Konsumieren von Alkohol oder illegalen Drogen auf dem Areal des Kindergartens, Pornographie und Gewalt auf Datenträger oder Papier.

Stufe 4: massive Grenzverletzungen

Hierunter fallen massive Übergriffe in den Bereichen Sexualität, Nötigung und Gewalt. In den Stufen 3 und 4 ist das Betreuungsteam nicht mehr alleine zuständig. Die Kindergartenleitung und in Stufe 3 und 4 auch die Geschäftsleitung, werden orientiert oder beigezogen. Es folgen strafrechtliche Abklärungen und es werden in der Regel auch externe Fachpersonen beigezogen.

14. Meldepflicht/Meldeverfahren

14.1 Meldestellen für Mitarbeiter

Alle Mitarbeitende sind verpflichtet, jede Art von Gewalt, beobachtete, von Kindern gemeldete oder von sich ausgegangene, bei der Gruppenleitung zu melden (ab Stufe 2). Diese wird in geeigneter Form die notwendigen Maßnahmen einleiten. Situationen von Gewalt und Gefährdungen die der Stufe eins zugeordnet werden können, sind nicht notwendig zu melden, müssen aber im Betreuerteam thematisiert werden. Bei schwerer und massiver Grenzverletzung (Stufe 3 und Stufe 4) werden die vorgesehenen Stellen unmittelbar informiert.

Bei Verdacht auf Mitarbeiterebene muss eine Meldung an die Kindergartenleitung gemacht werden. Ist dies aus einem Grund nicht möglich, muss die Meldung an den Geschäftsführer gemacht werden. Der Meldungsempfänger trifft Abklärungen und ist verpflichtet, bei erhärtetem oder bestätigtem Verdacht umgehend die notwendigen Maßnahmen einzuleiten.   

14.2 Meldestellen für Kinder und gesetzliche Vertretungen/Angehörige

Alle Kinder und deren gesetzlichen Vertretungen werden dazu aufgerufen, sich jederzeit an ihre Bezugspersonen oder an eine andere ihnen vertraute Person zu wenden, wenn sie innerhalb oder außerhalb des Kindergartens grenzverletzende Handlungen erfahren haben oder solchen ausgesetzt sind. Gesetzliche Vertretungen und Angehörige wenden sich direkt an die Gruppenleitung, an die Kindergartenleitung oder die Geschäftsführung. Hierzu wurde ein Beschwerdemanagement eingeführt, dass im Qualitätshandbuch unserer Einrichtung unter Punkt 4.4. Beschwerden:  Messung/Analyse/Verbesserung genauer beschrieben wird.

Externe Meldestellen siehe „19. Externe Meldestellen“.

15. Zu Unrecht beschuldigte Personen

Wird eine Person zu Unrecht verdächtigt oder beschuldigt, muss diese vollständig rehabilitiert werden. Bei Falschanschuldigung muss die dafür verantwortliche Person zur Verantwortung gezogen werden,

16. Umgang mit Medien

Bei einem massiven Vorfall entscheidet die Geschäftsleitung über eine Information der Öffentlichkeit. Medienanfragen werden ausschließlich durch die Geschäftsleitung oder eine von ihr bezeichnete Person beantwortet.

  • Andere Mitarbeitende geben keinerlei Auskünfte.
  • An der Medieninformationsveranstaltung sollte nebst der auskunftserteilenden Person die Kindergartenleitung oder eine andere dafür bestimmte Person anwesend sein.
  • Das Opfer und weitere direkt betroffene Personen (auch der mögliche Täter) sind vor Medienkontakten zu schützen.

17. Strafrechtlich relevante Gewalthandlungen

  • Schwere Körperverletzung
  • Schwere Sachbeschädigung
  • Strafbare Handlungen gegenüber der sexuellen Integrität

18. Externe Meldestellen

Landratsamt Straubing-Bogen
Amt für Jugend und Familie
Leutnerstr. 15
94315 Straubing

Telefon:09421/973-0

https://www.landkreis-straubing-bogen.de/politik-verwaltung/organisation-landratsamt/?JugendundFamilie&view=org&orgid=a8a52473-a6b1-4204-910c-f1680147425f